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Die Geschichte des Kurhessischen Pionier-Bataillons Nr. 11 bis 1902

"Das Bataillon ging durch Allerhöchste Kabinetts-Ordre vom 27. September 1866 bei der Aufstellung dreier neuer Armeekorps aus 6 verschiedenen Formationen hervor: der 1. und 2. Reserve-Pionier-Kompagnie Luxemburg und Mainz (dies waren aktive Kompagnien trotz ihres Namens), der 1. und 2. Pionierkompagnie des I. Reservekorps (in Danzig und Deutz neu aufgestellt), dazu der Kurfürstlich Hessischen Pionierkompagnie und dem Herzoglich Nassauischen Pionier-Detachement.

PB 11

    

Die beiden erstgenannten Kompagnien hatten als Vorläufer Pionierdetachements, die seit dem Jahre 1820 von Saarlouis nach Mainz und Luxemburg abgegeben worden waren. Da aber das Bataillon nach A.K.D. vom 24. Januar 1899 "als eins angesehen werden sollte mit der vormaligen Kurfürstlich Hessischen Pionier-Kompagnie und dem vormaligen Herzoglich Nassauischen Pionier-Detachement", so wurde ihm der 1. März 1842 als Stiftungstag angesetzt.

Das neue Bataillon erhielt am 2. Oktober 1866 die Bezeichnung "Pionier-Bataillon Nr. 11" und trat am 5. November unter dem Kommando des Oberstleutnants Stellien in Mainz-Kastel in Stärke von 14 Offizieren, 1 Arzt, 1 Zahlmeister, 58 Unteroffizieren, 331 Pionieren (einschl. Hornisten, Lazarettgehilfen und Dekonomiehandwerkern) zusammen. Im Juli 1867 erhielt das Bataillon seine Fahne. Seine 4 Kompagnien hatten nach damaligen Brauche besondere Aufgaben: die 1. war Pontonierkompagnie, die 2. und 3. waren Sappeurkompagnien, die 4. war Mineurkompagnie.

Uniformen, PiBtl 11
Ansichtskarte von 1911

Im Jahre 1870 wurde das Bataillon unter Major Crüger am 16. Juli mobil gemacht. Es stellte auf: 3 Feldpionierkompagnien, 1 leichten Feldbrückentrain, 1 Schanzzeugkolonne, 1 Pontonkolonne nebst Begleitkommando, 3 Festungspionierkompagnien und 1 Ersatzkompagnie mit Handwerkerabteilung. Gleich zu Beginn des Krieges begann für das Bataillon eine angestrengte Tätigkeit. Am 17. Juli wurde von ihm eine Mainbrücke gebaut, dazu eine fliegende Rheinbrücke. Am 25. und 27. Juli rückten die Feldkompagnien mit der leichten Schanzkolonne und dem Feldbrückentrain von Mainz ab. Ihnen folgte am 1. August die Pontonkolonne. Die 3 Festunspionierkompagnien blieben zur Armierung von Mainz zurück. Erst am 18. August ging die 1., am 26. Oktober die 2. und 3. ins Feld.

Während des Feldzuges haben sich 11er Pioniere überall ausgezeichnet. Sie waren zur Stelle, ob es galt, durch technische Arbeiten den eigenen Kameraden zu helfen oder durch Belagerungsarbeiten feindliche Festungen zu Fall zu bringen oder aber mit der Waffe in der Hand an der Seite anderer Truppen zu kämpfen: Das Bataillon hatte Anteil an folgenden Schlachten und Gefechten: am 4. 8. bei Weißenburg (1., 2. 3. F.K.), 6. 8. Wörth (dieselben), 10. 8. Beschießung von Pfalzburg (1. F.K.), 20. 8. - 28. 9. Belagerung von Straßburg (I. Fest.-K.), 1. 9. Schlacht bei Sedan (1., 2., 3. F.K.), 20. 9. Grabenübergang vor der Lünette 53 bei Straßburg (1. Fest. K.), 19. 9. - 28.1. 71 Belagerung von Paris (1., 2. 3. F.K., 1. Fest.K, Pontonkolonne), 30. 9. 70 Ausfallgefecht am Mont Mesly vor Paris (1., 2. F.K.), 18. 10. Erstürmung von Chateaudun(3.F.K.), 21. 10. Einnahme von Chartres (3. F.K.), 3. 11. Rekognoszierungsgefecht bei Chourville (3. F.K.), 21. 11. Gefecht bei Bretoncelles (1., 3. F.K.), 2. 12. Schlacht bei Loigny (1., 3. F.K.), 3. u. 4. 12. Schlacht bei Orléans (1., 3. F.K.), 8. - 10. 12 Schlacht bei Beaugeney-Cravant, 6. 1. 71 Gefecht bei La Fourche (3. F.K.), 10. - 12. 1. Schlacht bei Le Mans (1., 3. F.K.), 14. 1. Gefecht bei Beaumont-sur-Sarthe (3. F.K.), 15. 1. Gefecht bei Alencon (3. F.K.).

Das Bataillon erhielt 2 Eiserne Kreuze 1. Klasse und 96 Eiserne Kreuze 2. Klasse. Für ihr Vaterland starben vom P.B. 11: 2 Offiziere, 7 Unteroffiziere und Pioniere. Verwundet wurden 3 Offiziere, 20 Unteroffiziere und Pioniere, an den Kriegsstrapazen starben weitere 16 Pioniere. 1872 erhielt das Bataillon das E.K. für seine Fahnenspitze. Als besonderes Pionierstück sei die Abwehr der französischen Kürassierbrigade Michel bei Morsbronn durch die 3./Pi 11 genannt, die nur durch eiserne Disziplin der Truppe einen so glänzenden Erfolg erbrachte und ein Ehrenblatt in der Kriegsgeschichte des 11. Bataillons bedeutet (6. August 1870). Ein Beckersches Gemälde, das auch im Druck Verbreitung fand, hat diese Einzelhandlung aus der Schlacht bei Wörth im Bilde festgehalten. Auch die Heldentat des Uffz. Neumann von der 2. Ko. sei erwähnt, der durch Kaltblütigkeit und Entschlossenheit ganz allein 4 Offiziere und 16 Mann zu Gefangenen machte (1. Sept. 70 vor Sedan). Premierleutnant v. Apell von der 2. Ko. brachte mit einer Pionierabteilung am selben Tage 316 Gefangene ein. Im Gefecht von Bretoncelles aber fiel an der Spitze seiner stürmenden Pioniere Hauptmann von Holly, der Chef der 1. Kompagnie.

"Groschenroman" aus der Serie "Unter deutscher Flagge" (1930er-Jahre)

Reservistenbild 1899
Reservisten des Hessischen Pionier-Bataillons Nr. 11, 1899 (Bildlink)

Nach dem Kriege belegte das Bataillon zunächst das Fort Gonsenheim, dann blieb es bis zum Februar 1901 in Mainz-Kastel. Von dort aus erwarb es sich durch vielfache Betätigung bei Eisgängen, Hochwasserfluten, Bergstürzen u. a. auch mancherlei Friedensauszeichnungen. Mehrfach wurden Truppenteile als Stammpersonal für Neuformationen abgegeben. Am 1. Oktober 1901 erfolgte der feierliche Einzug in die neue Garnison Hann.-Münden. Seit 1902 führte es zu Erhaltung der alten Tradition den Namen Kurhessisches Pionier-Bataillon Nr. 11."

Bericht entnommen aus "Das Kurhessische Pionier-Bataillon Nr. 11 im Weltkriege 1914 - 1918", Verlag Bernhard Sporn, Zeulenroda in Thüringen, 1936, Autor Prof. Dr. Hartenstein, im 1. Weltkrieg Lt. d. R. der 3./Pi. 11

Garnison Kastel     Beckersches Gemälde (Woerth)

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